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Vorschrift
Normgeber:Justizministerium
Aktenzeichen:2400 I - 301.122
Erlassdatum:06.06.2019
Fassung vom:06.06.2019
Gültig ab:01.05.2019
Gültig bis:30.04.2024
Quelle:Wappen Niedersachsen
Gliederungs-Nr:31400
Fundstelle:Nds. Rpfl. 2019, 285
 

Richtlinien zur Betreuung von Justizvollzugsbediensteten
nach besonders belastenden beruflichen Ereignissen



AV d. MJ v. 6. 6. 2019 (2400 I – 301.122)
– Nds. Rpfl. S. 285 –
VORIS 31400



Fundstelle: Nds. Rpfl. 2019 Nr. 8, S. 285



I.



Einführung



Bei der Tätigkeit im Justizvollzug kann es zu plötzlich auftretenden Extremsituationen kommen. Diese sind gekennzeichnet durch das Miterleben oder Mitansehen von plötzlichem oder drohendem Tod, ernsthafter Verletzung der Gesundheit oder sonstigen größeren Schäden an der eigenen oder einer anderen Person oder anderen Personen. Diese Situationen sind potentiell dafür geeignet, Traumafolgeschäden hervorzurufen. Im Rahmen der Prävention, Intervention und Nachsorge für solche Ereignisse ist ein System der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Justizvollzug eingerichtet.



Die vorliegenden Richtlinien orientieren sich an den „Qualitätsstandards und Leitlinien Teil I und II“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und regeln die Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen dienstlicher Ereignisse.



1. Ziele der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV)



Die Maßnahmen der PSNV dienen der Erhaltung und/oder Wiederherstellung der psychischen Gesundheit sowie der Dienst- und/oder Erwerbsfähigkeit.



2. Zielgruppe



Zielgruppe der Maßnahmen der PSNV sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Justizvollzug tätig sind.



3. Mitglieder des Einsatznachsorgeteams (ENT)



3.1 Die Justizvollzugseinrichtungen bestellen jeweils mindestens zwei geeignete Psychosoziale Fachkräfte aus dem Kreis des ärztlichen, psychologischen oder sozialpädagogischen Dienstes mit deren Einverständnis. Diese sind dem Justizministerium zu benennen.



Das Justizministerium bestellt eine geeignete Koordinatorin oder einen geeigneten Koordinator des ENT.



3.2 Alle Mitglieder des ENT erhalten eine Fortbildung, die durch das Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges organisiert wird. Daneben finden regelmäßige Dienstbesprechungen und Fachtagungen statt.



3.3 Die Psychosozialen Fachkräfte des ENT unterliegen einer Schweigepflicht in Bezug auf alle Aspekte der Einsatznachsorge.



3.4 Die Mitglieder des ENT können jederzeit ohne Angabe von Gründen von ihrer Aufgabe zurücktreten. Dies ist schriftlich der Anstaltsleitung und der Koordinatorin oder dem Koordinator des ENT mitzuteilen. Die betreffende Justizvollzugseinrichtung informiert das Justizministerium und bestellt entsprechendes Personal neu.



4. Indikation und Kontaktaufnahme



Bei außerordentlichen Vorkommnissen oder anderen Ereignissen, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als belastend erlebt werden können, entscheidet die zuständige Führungskraft über die Hinzuziehung der anstaltsinternen Mitglieder des ENT und informiert diese.



Sind diese verhindert, selbst betroffen oder lehnen den Einsatz aus anderen Gründen ab, ist die Koordinatorin oder der Koordinator bzw. die Stellvertreterin oder der Stellvertreter der Koordinatorin bzw. des Koordinators zu informieren. Diese oder dieser beauftragt andere Mitglieder des ENT mit der Wahrnehmung der Aufgaben.



Nach der Information durch die Justizvollzugseinrichtung nehmen die Mitglieder des ENT in der Regel innerhalb von 24 Stunden telefonisch oder persönlich Kontakt zu den beteiligten Bediensteten des Ereignisses auf.



Die Teilnahme an den Maßnahmen der Psychosozialen Notfallversorgung ist freiwillig. Durch die Nichtteilnahme entstehen den Bediensteten keine Nachteile.



Die unmittelbar oder mittelbar betroffenen Bediensteten sind angehalten, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Sie können im Bedarfsfall auch direkt mit den Mitgliedern des ENT Kontakt aufnehmen.



5. Arbeitsweise des Einsatznachsorgeteams



Die Arbeitsweise des ENT orientiert sich an den Standards der betrieblichen psychologischen Erstbetreuung und den Standards der Psychosozialen Notfallversorgung. Es werden je nach Situation bedarfsgerechte Maßnahmen im Sinne der primären, sekundären oder tertiären Prävention angewandt.



6. Organisation des Einsatznachsorgeteams



6.1 Die Koordinatorin oder der Koordinator und die Mitglieder des ENT organisieren ihre Arbeit nach Vorgabe dieser Richtlinien eigenverantwortlich.



6.2 Die von den Mitgliedern des ENT erbrachten Einsatzstunden gelten als Arbeitszeit im Sinne der Arbeitszeitverordnung. Ein Bereitschaftsdienst wird nicht eingerichtet.



6.3 Dienstreisen im Rahmen eines Einsatzes der Einsatznachsorge außerhalb der Dienststätte gelten vorab als genehmigt. Für diese Dienstreisen liegt ein erhebliches dienstliches Interesse vor. Die Genehmigung der Benutzung privater Fahrzeuge gilt mit Benachrichtigung der Mitglieder des ENT als erteilt. Die Kosten werden in der Justizvollzugsanstalt, in der der Einsatz stattgefunden hat, abgerechnet.



6.4 Mitglieder des ENT, die mindestens einen Einsatz geleistet haben, sind innerhalb einer Jahresfrist nach dem Einsatz zur Supervision von mindestens 1,5 Stunden verpflichtet. Die Supervision sowie die Zeiten der An- und Abfahrt gelten als Arbeitszeit. Die Kosten für die Supervision werden von der Justizvollzugseinrichtung übernommen, bei der das Mitglied beschäftigt ist.



6.5 Alle anfallenden Kosten zur Durchführung des Einsatzes (auch Anfahrts- und Übernachtungskosten sowie Kosten für Versorgung) werden von der Behörde übernommen, in der der Einsatz stattfindet.



7. Weitere Hilfe und Unterstützung



Weitere Hilfe und Unterstützung sind den mittel- oder unmittelbar betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch die in den Justizvollzugseinrichtungen zuständigen Bediensteten, insbesondere in den Fachbereichen Personal und Organisation und von den zuständigen Vorgesetzten, sowie durch das Justizministerium zu gewähren.



8. In-Kraft-Treten



Diese AV tritt am 1.5.2019 in Kraft und am 30. 4. 2024 außer Kraft.



 


Abkürzung Fundstelle Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie immer auf die gültige Fassung der Vorschrift verlinken möchten:
https://www.voris.niedersachsen.de/jportal/?quelle=jlink&query=VVND-314000-MJ-20190606-SF&psml=bsvorisprod.psml&max=true