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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Aktenzeichen:204.1-42503/2-828
Erlassdatum:04.12.2014
Fassung vom:17.07.2019
Gültig ab:01.09.2019
Gültig bis:31.12.2021
Quelle:Wappen Niedersachsen
Gliederungs-Nr:keine Angaben verfügbar
Normen:32005R0001, § 2 TierSchG, § 2a TierSchG, § 6 TierSchG, § 16a TierSchG ... mehr
 

Zum Hauptdokument : Tierschutz; Umsetzung der "Vereinbarung zur Weiterentwicklung von Mindestanforderungen an die Haltung von Moschusenten" ("Moschusentenvereinbarung")



Anlage 1



Vereinbarung



des



Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft, Verbraucherschutz
und Landesentwicklung (ML),
Calenberger Straße 2, 30169 Hannover,



und der



Niedersächsischen Geflügelwirtschaft,
Landesverband e. V. (NGW),
Mars-la-Tour-Straße Nr., 26121 Oldenburg



zur



Weiterentwicklung von Mindestanforderungen
an die Haltung von Moschusenten





Herausgeber:

Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Referat 204.1,
Calenberger Straße 2, 30169 Hannover
Az. 204.1-42503/2-828





Einleitung



Die bisherige Moschusentenvereinbarung1) ist zum 31.12. 2005 ausgelaufen. Zur Auslegung einer den Anforderungen des § 2 des Tierschutzgesetzes (TierSchG)2) entsprechenden Moschusentenhaltung sind neben den allgemeinen Bestimmungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV)3) die Europaratsempfehlungen4) in Bezug auf Moschusenten vom 22. Juni 1999 heranzuziehen, da konkretere verbindliche Rechtsakte der europäischen Union bzw. eine auf § 2a TierSchG basierende innerstaatliche Rechtsverordnung fehlen (vgl. Art. 9 Europäisches Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (ETÜ) vom 10. März 1976 i. V. m. Art. 1 S. 1 des Gesetzes zu dem ETÜ vom 25. Januar 1978 (BGBl. II S. 113), zul. geä. durch VO vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407)).



Dabei wird – auch den Erwägungen der bisherigen Vereinbarung folgend – anerkannt, dass Umgebung und Betreuung den biologischen Bedürfnissen der Tiere entsprechen müssen, anstatt die Tiere der Umgebung z.B. durch Eingriffe „anzupassen“ (vgl. Abs. 9 der Präambel der Europaratsempfehlungen).



Zur Konkretisierung der Europaratsempfehlungen4 wird folgendes vereinbart:



1. Sachkunde (Art. 3 lfd. Nr. 2 der Europaratsempfehlungen)



1.1 Angemessene Kenntnisse i. S. des Art. 3 lfd. Nr. 2 i. V. m. § 2 Nr. 3 TierSchG sind anzunehmen bei Nachweis



1.1.1
der abgeschlossenen Ausbildung als Landwirt oder Tierwirt mit jeweils spezieller Berücksichtigung der Geflügelhaltung,


1.1.2
eigenverantwortlicher Haltung von Moschusenten in mindestens drei Mastdurchgängen ohne Beanstandungen durch die für Tierschutz zuständige Behörde und nachweislicher Teilnahme an Fachtagungen oder Lehrgängen,


1.1.3
der Haltung von Moschusenten in mindestens vier Mastdurchgängen unter fachkundiger Anleitung einer verantwortlichen Person ohne Beanstandungen durch die für Tierschutz zuständige Behörde,


1.1.4
des Absolvierens der Überbetrieblichen Ausbildung Geflügel im Rahmen der landwirtschaftlichen Ausbildung im Lehr- und Forschungsgut Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover oder


1.1.5
des Absolvierens eines von der zuständigen Behörde in Abstimmung mit ML anerkannten Sachkundelehrgangs (Anm.: Die Anforderungen werden in Anlehnung an den Lehrgang zu § 17 TierSchNutztV2) zu gegebener Zeit per Erlass geregelt).


1.2 Überträgt der Tierhalter die Betreuung der Tiere auf andere Personen, so hat er sicherzustellen, dass diese sachkundig sind oder unter seiner Aufsicht tätig werden.



1.3 Der Tierhalter hat dafür Sorge zu tragen, dass das Einfangen und die Verladung der Tiere ordnungsgemäß durchgeführt wird. Er trägt die Verantwortung für die Tiere, solange diese sich auf seinem Betrieb befinden.



1.4 Der Nachweis der Sachkunde ist gegenüber der zuständigen Behörde spätestens bis zum 31.03.2013 zu erbringen. Für die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft Enten/Gänse (EZG), Rastorfer Straße 1, 26901 Lorup, wird der Nachweis über die EZG erbracht. Zuständige Behörden sind die Landkreise/kreisfreien Städte.



2. Besatzdichte (Art. 3 Nr. 4 und Art. 11 Nr. 3 der Europaratsempfehlungen)



Unter Berücksichtigung der Anforderungen des Art. 3 Nr. 4 und Art. 11 Nr. 3 darf die Besatzdichte 25 kg/m2 nutzbare Fläche (am Ausstallungstag) nicht überschreiten. Bei Einhaltung des Gesundheitskontrollprogramms (vgl. lfd. Nr. 3) wird eine Besatzdichte von maximal 35 kg/m2 nutzbare Fläche (am Ausstallungstag) zugelassen. Sollte sich herausstellen, dass durch die gewählte Besatzdichte den Anforderungen des § 2 TierSchG nicht entsprochen werden kann (z.B. die Tiere Verhaltensstörungen oder Verletzungen zeigen), so ist eine Reduktion vorzunehmen. Eine Hilfestellung zur Berechnung der Anzahl der einzustallenden Tiere ist der Anlage 1 zu entnehmen.



Spätestens bis zum 01.01.2015 sollen die hier getroffenen Festlegungen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden.



Sollte am Ausstallungstag die vorgenannte Besatzdichte überschritten werden, ist eine Einzelfallprüfung durchzuführen. Erforderlichenfalls sind tierschutzrechtliche Maßnahmen auf der Grundlage des § 16a TierSchG zu treffen. Ordnungsbehördliche Maßnahmen auf der Grundlage des § 18 Abs. 1 Nr. 1 TierSchG kommen insbesondere dann in Betracht, wenn die Planung des Tierhalters erkennen lässt, dass ein Überschreiten der Besatzdichte vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt wurde. Dieses ist insbesondere dann anzunehmen, wenn bei aufeinanderfolgenden Durchgängen wiederholt eine Überschreitung der Besatzdichte festgestellt wird. Als nicht vorsätzlich oder fahrlässig gilt insbesondere, wenn im Durchgang



Gewichtsentwicklungen, die deutlich über den durchschnittliche Zunahmen der vorangegangenen Durchgänge liegen,


ein ohne Zutun des Tierhalters verschobener Schlachttermin nachgewiesen werden kann oder


von der Brüterei eine höhere als die bestellte Tierzahl geliefert wurde (hier ist die Ursache in der Brüterei zu eruieren).


Daneben muss der objektive Tatbestand des § 18 Abs. 1 S. 1 TierschG (die Zufügung von erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne vernünftigen Grund) erfüllt sein.



Als nutzbare Fläche gilt die Bodenfläche, die den Tieren uneingeschränkt zur Verfügung steht. Die Fläche unter den Tränken und Trögen ist der nutzbaren Fläche dann zuzurechnen, wenn diese höhenverstellbar sind und sichergestellt ist, dass bei ungehinderter Futter- und Wasseraufnahme die Futter- und Tränkeeinrichtungen stets in Rückenhöhe eingestellt sind. Die von den nach der lfd. Nr. 7 vorzuhaltenden Wasserangeboten abgedeckte Fläche zählt zur nutzbaren Fläche.



3.
Gesundheitskontrollprogramm


Gegenstand des Gesundheitskontrollprogramms ist die Ergebnisanalyse durchgangsbezogener Parameter aus Aufzucht und Mast (insbesondere Tierverluste, Impfprogramm und Arzneimitteleinsatz) sowie der Schlachtgeflügeluntersuchung (u. a. Bonitur der Gefiederkleides und der Paddel, Augenzustand (Verklebungen Verkrustungen), Gewichte, Transportverluste und Anteil verworfener Tiere), die eine Einschätzung hinsichtlich Tiergesundheit und Tierschutz erlauben. Die genannten Parameter werden im Schlachtbetrieb erfasst und vom Tierhalter unter Berücksichtigung der jeweiligen betrieblichen Situation gemeinsam mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt in den betriebsspezifischen Gesundheitsplan eingearbeitet und umgesetzt. Der betriebsspezifische Gesundheitsplan ist entsprechend zu dokumentieren (vgl. Anlage 2 sowie Schlachtbericht) und dem amtlichen Tierarzt bei der Schlachtgeflügeluntersuchung vorzulegen. Das Gesundheitskontrollprogramm ist unter Auswertung der Erfahrungen kontinuierlich zu aktualisieren.



4.
Kontrolle der Tiere (Art. 6 Nr. 1 und Art. 7 der Europaratsempfehlungen)


Der Tierbetreuer hat sich mindestens zweimal täglich durch direkte Inaugenscheinnahme vom Wohlbefinden der Tiere zu überzeugen. Dabei ist auch auf den Futter- und Wasserverbrauch zu achten; hieraus ergeben sich erste Hinweise auf sich anbahnende Probleme in der Herde. Ferner ist auch die Funktionsfähigkeit der technischen Einrichtungen zur Sicherstellung der Lüftung, der Wasser- und Futterversorgung sowie die Beschaffenheit der Einstreu zu überprüfen.



Zum Umgang mit kranken und verletzten Tieren wird auf § 4 Abs. 2 Nr. 3 TierSchNutztV verwiesen. Hierfür müssen leicht erreichbare Krankenabteile vorhanden sein oder bei Bedarf sofort eingerichtet werden (z.B. auf beiden Frontseiten des Stalles oder in der Stallmitte). Die Abtrennung des Krankenstalles muss stabil sein, seine Fläche muss bei Bedarf erweitert werden können; er muss gut belüftet sein, sowie mit tiefhängenden Futterschalen und zusätzlichen Tränken ausgestattet sein. Die Besatzdichte in diesem Krankenabteil darf 20 kg/m2 nutzbarer Stallfläche nicht überschreiten. Jedes Tier, das wahrscheinlich nicht überleben wird, einschließlich der Tiere, die nicht stehen, Nahrung aufnehmen oder trinken können, muss – nach erfolgter tierschutzgerechter Betäubung – unverzüglich getötet werden und darf nicht in ein Krankenabteil eingestallt werden. Jedes Tier in einem Krankenabteil, das bei einer Kontrolle keine Besserung aufweist, muss tierschutzgerecht nach erfolgter Betäubung getötet werden.



5.
Aufzeichnungen (Art. 6 Nr. 2 S. 4 der Europaratsempfehlungen)


Die Aufzeichnungen sind gemäß § 4 Abs. 2 TierSchNutztV zu führen. In Anlage 2 ist ein Muster beigefügt, in dem auch die Anforderungen des Gesundheitskontrollprogramms dokumentiert werden.



6.
Auslauf (Art. 10 Nr. 2 der Europaratsempfehlungen)


Zumindest bei Stallneubauten ist ein Außenklimabereich (sog. Wintergarten) vorzusehen – soweit baurechtliche und immissionsschutzrechtliche Regelungen dem nicht entgegenstehen.



Bei bestehenden Stallungen wird den Anforderungen des Art. 10 Nr. 2 Satz 2 durch das Angebot von Wasser zur Gefiederpflege im Stall (vgl. lfd. Nr. 6) Rechnung getragen. Wenn ein Auslauf angeboten wird, sind Art. 13 Nummern 2 bis 4 (Schutzraum, Rotation von Weideflächen, umsichtiger Umtrieb der Tiere) zu beachten.



7.
Angebot von Badewasser (Art. 10 Nr. 2 der Europaratsempfehlungen)


Den Anforderungen des Art. 10 Nr. 2 Satz 2 der Europaratsempfehlungen (Angebot von Badewasser) wird durch ein altersangepasstes Wasserangebot Rechnung getragen (vgl. Anlage 4, in der die bisher bekannten technischen Lösungen unter Berücksichtigung der Hygiene und des Komfortverhaltens zusammengestellt sind). Diese mit Wasser gefüllten Einrichtungen müssen mindestens in jedem Stall vorhanden sein. Angestrebt werden weitere Entwicklungen. Hier sind Wissenschaft und Praxis gleichermaßen gefordert, an der Weiterentwicklung zu arbeiten (vgl. auch lfd. Nr. 17).



Das Wasserangebot zur Gefiederpflege muss für alle Tiere gut erreichbar und gleichmäßig über die Stallfläche verteilt sein. Es sollte über perforierten Flächen angeboten werden, damit die Einstreu nicht vernässt. Die Einrichtungen des Wasserangebots sind stets sauber zu halten (vgl. Art. 10 Nr. 3 der Europaratsempfehlungen). Der Wasserverbrauch des zusätzlichen Wasserangebots sollte über eine Wasseruhr dokumentiert werden.



8.
Bodenbeschaffenheit (Art. 10 Nr. 6 der Europaratsempfehlungen)


Der Tierhalter hat sicherzustellen, dass Paddelverletzungen vermieden werden und jederzeit eine physiologische Fortbewegung der Tiere möglich ist. Der Boden muss rutschfest, stand- und trittsicher sein. Spätestens ab der 5. Lebenswoche müssen mindestens 20 % der nutzbaren Stallgrundfläche mit einem geeigneten Material eingestreut sein (zum Einstreumaterial vgl. lfd. Nr. 9).



Für den perforierten Bodenteil sind nachstehende Mindestanforderungen durch den Tierhalter sicherzustellen:



für die ersten beiden Lebenswochen: Rosten mit einer Spaltenweite von maximal 1,5 cm; die Breite der Roste darf 1,5 cm nicht überschreiten. Bei größeren Maschenweiten sind die Rosten in den ersten zwei Lebenswochen mit feinmaschigem Geflecht auszulegen;


ab der dritten Woche: Rosten mit einer maximalen Spaltenweite von 2,5 cm.


Abweichende Abmessungen sind nur dann erlaubt, wenn die Anforderungen nach Satz 1 auch damit nachweislich eingehalten werden.



9.
Einstreu (Art. 10 Nr. 6 S. 3 und Art. 11 Buchst. 4 der Europaratsempfehlungen)


Die Einstreu muss von lockerer Struktur und in ausreichender Menge vorhanden sein und muss stets trocken gehalten werden, ggf. ist nachzustreuen. Als Einstreumaterialien kommen z.B. Hobelspäne oder kurz gehäckseltes Stroh in Betracht.



10.
Klimagestaltung (Art. 12 der Europaratsempfehlungen)


Der Tierhalter hat das Stallklima so zu gestalten, dass dem Wärmebedürfnis der Tiere jederzeit Rechnung getragen werden kann, ein ausreichender Luftaustausch im Tierbereich sichergestellt ist und Schadgase abgeführt werden können.



Hierzu hat der Tierhalter mindestens nachstehende Anforderungen einzuhalten:



a)
Temperatur:



erste Woche:

34 °C unter den Wärmestrahlern,
27 °C Raumtemperatur;


zweite Woche:

30 °C unter den Wärmestrahlern,
24 °C Raumtemperatur;


dritte Woche:

28 °C unter den Wärmestrahlern,
22 °C Raumtemperatur;


vierte Woche:

18–20 °C Raumtemperatur;


fünfte Woche:

16–20 °C Raumtemperatur;


ab sechster Woche:

bei voller Befiederung der Enten
15–18 °C Raumtemperatur.


Die relative Luftfeuchte der Stallluft soll 70–80 % betragen.



b)
Schadgasgehalt


Der Ammoniakgehalt in der Stallluft soll im Tierbereich unter 10 ppm liegen und darf dauerhaft 20 ppm nicht überschreiten. Der Kohlendioxidgehalt der Stallluft darf dauerhaft – mit Ausnahme während der Aufheizphase in der ersten Lebenswoche – nicht über 3.000 ppm liegen.


Die Konzentrationen von Kohlendioxid und Ammoniak sind in der Endmastphase mindestens einmal im Jahr z.B. durch externe Sachverständige zu überprüfen. Die Ergebnisse sind zu dokumentieren. Sollten die Schadgase die Grenzwerte übersteigen, sind vom Tierhalter geeignete Maßnahmen zu ergreifen, Schadstoffe und Wärme aus dem Tierbereich zu transportieren.


c)
Lüftungseinrichtung


Der Tierhalter muss die Stallluft durch die Lüftungsanlage so beeinflussen können, dass der für die Tiere lebensnotwendige Wärmeaustausch jederzeit erfolgen kann.


Er hat mit der Lüftung sicherzustellen, dass der Luftaustausch im Tierbereich gewährleistet wird, indem Schadstoffe und Wärme vom Tier weg transportiert werden. Dadurch kann die gefühlte Temperatur gesenkt und ein Abkühlungseffekt erzielt werden. Der Luftaustausch am Tier und somit die Luftwechselrate im Tierbereich sind für das Wohlbefinden der Tiere maßgebend. Zugluft ist zu vermeiden.


Der Tierhalter hat die volle Funktionsfähigkeit der Lüftungsanlage sicherzustellen; mindestens vor der Sommerperiode ist eine technische Überprüfung durchzuführen und zu dokumentieren; in fünfjährigen Abständen ist eine Fachfirma mit der Überprüfung zu beauftragen, hierüber ist ein Bericht anzufertigen.


Grundsätzlich soll die Stallkonstruktion in Bezug auf die Lüftung nach den DIN-Vorgaben (DIN 18910) ausgerichtet sein, um somit die Mindestvoraussetzungen zu erfüllen.


Zusätzliche Informationen zum Stallklima sind der Anlage 3 zu entnehmen.


11. Beleuchtung (Art. 15 der Europaratsempfehlungen)



Tageslichteinfall ist zu gewähren; das gilt auch für Altbauten, soweit Lichteinfallsflächen vorhanden sind. Der Einfall von natürlichem Licht ist bei Stallneu- oder -umbauten vorzusehen. Die Lichteinfallsöffnungen sind so zu gestalten, dass das Licht gleichmäßig in den Aktivitätsbereich des Stalles einfällt. Dabei ist auf einen indirekten Lichteinfall zu achten. Die Lichteinfallsfläche muss mindestens 3 % der Stallgrundfläche betragen. Empfohlen werden Fenster, Lichtbänder oder Lichtfirste. Vorstehendes gilt nicht für bestehende Gebäude, wenn eine Ausleuchtung des Einstreu- und Versorgungsbereiches in der Haltungseinrichtung durch natürliches Licht aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand erreicht werden kann und eine dem natürlichen Licht so weit wie möglich entsprechende künstliche Beleuchtung sichergestellt wird.



Der Aktivitätsbereich der Tiere ist in der Hellphase gleichmäßig auszuleuchten.



Entsprechend dem spezifischen Wahrnehmungsvermögen von Vögeln, muss das künstliche Licht für Geflügel flackerfrei sein, entsprechend muss die Frequenz des Kunstlichts über 160 Hz liegen. Darüber hinaus sollte das Farbspektrum ausgewogen sein und auch einen UV-Anteil enthalten (Vollspektrum). Hinsichtlich der technischen Details wird auf das als Anlage 5 beigefügte Merkblatt „Anforderungen an Kunstlicht in Geflügel haltenden Betrieben“ des LAVES (Stand 9.10.2012) verwiesen. Hinsichtlich der Lichtstärke sprechen sich neuere wissenschaftliche Veröffentlichungen5) für eine Festlegung in Gallilux aus. Bis hierzu eine Festlegung vorliegt, wird als Richtwert eine Lichtstärke von 20 Lux (gemessen in drei Ebenen) empfohlen. Während der Dunkelphase kann eine Notbeleuchtung mit einer maximalen Lichtstärke von 1 Lux toleriert werden.



Auch bei Zuschaltung künstlicher Lichtquellen hat der Tierhalter sicherzustellen, dass der natürliche Tag-/Nachtrhythmus eingehalten wird. Eine zusammenhängende Dunkelphase ist zu gewährleisten und muss, sofern von den natürlichen, jahreszeitlich schwankenden Dunkelphasen abgewichen wird, ununterbrochen mindestens 8 Stunden betragen. Den Dunkelphasen sollen jeweils Dimmphasen vorgeschaltet werden.



In der Phase der Federreife (ab der fünften bis maximal zur achten Lebenswoche) ist zusätzlich zu den im Merkblatt „Maßnahmen zur Verhinderung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus bei Moschusenten“(vgl. Anlage 6) beschriebenen Maßnahmen folgendes Beleuchtungsprogramm erlaubt:



Vermeiden von direktem Tageslichteinfall


Reduzierung der Lichtintensität mit Sicherstellung eines Helligkeitsunterschieds zwischen Hell- und Dunkelphase, um Ruhe- und Aktivitätsphasen zu erhalten.


Ab der 9. Lebenswoche (Abschluss der Federreife) ist wieder Tageslichteinfall zu gewähren und die Lichtintensität zu erhöhen.



Weitere Abweichungen von den Beleuchtungsvorgaben sind nur nach tierärztlicher Indikation vorübergehend z.B. beim Auftreten von Federpicken und/oder Kannibalismus erlaubt. Die Notwendigkeit der Verdunkelung ist von dem den Tierbestand betreuenden Tierarzt ggf. in Abstimmung mit dem Berater der Erzeugergemeinschaft schriftlich zu bestätigen. Die Verdunkelungsphasen sind in der Stallkarte (vgl. Anlage 2) mit Begründung zu vermerken. Die Stallkarten werden im Rahmen des Eigenkontrollsystems der Wirtschaft regelmäßig u. a. auch daraufhin geprüft, wie häufig eine Verdunkelung erforderlich war. Sollte in drei aufeinanderfolgenden Durchgängen eine Verdunkelung nach tierärztlicher Indikation erforderlich sein, muss eine bestandsspezifische Ursachenabklärung mit dem Berater und/oder dem Bestandsbetreuenden Tierarzt erfolgen. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob und welche Maßnahmen nach Anlage 6 ergriffen wurden; ggf. ist eine drastische Reduzierung der Besatzdichte anzuordnen.



Ein Erfahrungsaustausch auf Einladung des ML erfolgt regelmäßig, erstmals im Oktober 2013.



12. Versorgung der Tiere (Art. 16 der Europaratsempfehlungen)



12.1

Fütterung


Längstrog:


1. bis 15. Tag:

1,3 cm nutzbare Trogseitenlänge/kg
Lebendgewicht;


ab dem 15. Tag:

0,3 cm nutzbare Trogseitenlänge/kg
Lebendgewicht


Rundtrog:


1. bis 15. Tag:

1,1 cm nutzbarer Trogrand/kg
Lebendgewicht;


ab dem 15. Tag:

0,26 cm nutzbarer Trogrand/kg
Lebendgewicht.


Die Fütterung ist so zu gestalten, dass mindestens einmal täglich der Futtertrog vollständig geleert wird.

12.2

Tränken


Rundtränke:


1. bis 15. Tag:

3,1 cm nutzbarer Tränkenrand/kg
Lebendgewicht;


ab dem 15. Tag:

0,5 cm nutzbarer Tränkenrand/kg
Lebendgewicht.


Nippeltränken:


1. bis 15. Tag:

25 Tiere/Nippel;


ab dem 15. Tag:

10 Tiere/Nippel.


In den ersten Tagen sind bei Bedarf (z.B. Eintagsküken) zusätzliche Tränken (z.B. Stülptränken) in erreichbarer Nähe der Wärmequellen vorzuhalten (vgl. auch Anlage 4).



13. Versorgungssicherheit (Art. 17 der Europaratsempfehlungen)



§§ 3 und 4 TierSchNutztV sind zu beachten.



14.
Verladung und Transport (Art. 18 der Europaratsempfehlungen)


Frühestens 8 Stunden vor dem Transport darf Futter entzogen werden, Wasser sollte bis kurz vor dem Verladen zur Verfügung stehen. Die Anforderungen der Tierschutz-Transportverordnung i. V. m. der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 sind zu beachten.



15.
Maßnahmen zur Vermeidung von Federrupfen und Kannibalismus/Eingriffe an Enten (Art. 22 der Europaratsempfehlungen)


Art. 11 Nr. 2 ist zu beachten.



Jeder Tierhalter ist verpflichtet, zur Minimierung der Gefahr des Auftretens von Federrupfen und Kannibalismus geeignete vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Beispiele für Vorbeugemaßnahmen sind im Merkblatt „Maßnahmen zur Verhinderung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus bei Moschusenten“ (Anlage 6) aufgeführt. Der Tierhalter hat die von ihm ausgewählten spezifischen Maßnahmen im Mastbericht zu dokumentieren (Anlage 2).



Insbesondere ist den Tieren jederzeit geeignetes Beschäftigungsmaterial in ausreichender Menge anzubieten. Die Beschäftigungsobjekte sollen das Nahrungssuche- und -aufnahmeverhalten stimulieren und sich durch den Umgang mit ihnen ständig verändern.



Innerhalb einer Mastperiode ist das angebotene Material mehrfach, das heißt nach einigen Tagen, zu wechseln oder zu ergänzen, um den Anreiz für die Tiere zu erhalten.



Eine Ausnahmegenehmigung gemäß § 6 Abs. 3 Satz 1 Nummern 1 und 2 TierSchG zum Schnabelkürzen darf von der zuständigen Behörde bei Unerlässlichkeit nicht über den 31.12.2013 erteilt werden; die Anforderungen des Runderlasses des ML vom 03.11.2005, Az. 204.1-4253/2-604 (Nds. MBl. S 918) sind zu beachten. Eingriffe gem. § 6 Abs. 1 Satz 2 TierSchG nach tierärztlicher Indikation im Einzelfall bleiben hiervon unberührt.



Hinsichtlich des Kürzens der Krallen wird auf das bestehende Amputationsverbot in § 6 des Tierschutzgesetzes verwiesen. Lediglich ein Kürzen der Hornteile der Krallen ohne die Verletzung lebenden Gewebes ist zulässig.



16.
Betäubung und Tötung (Art. 23 der Europaratsempfehlungen)


Die Tierschutz-Schlachtverordnung in der aktuell geltenden Fassung ist bei der Betäubung und Tötung moribunder Tiere zu beachten.



17.
Inkrafttreten


Diese Vereinbarung tritt mit der Unterzeichnung in Kraft. Hiervon abweichend treten die Anforderungen der lfd. Nr. 6 (zusätzliches Wasserangebot zur Gefiederpflege) spätestens mit Wirkung zum 01.04.2013 und die Anforderungen der lfd. Nr. 7 Satz 2 (20 % planbefestigter Boden) wegen der erforderlichen Umbaumaßnahmen spätestens mit Wirkung zum 01.01.2014 in Kraft.



18.
Maßnahmen zur Weiterentwicklung


Es soll eine ständige Weiterentwicklung sowohl von wissenschaftlicher Seite als auch im laufenden Praxisbetrieb insbesondere hinsichtlich



des Angebots weiteren Beschäftigungsmaterials


des Angebots eines Außenklimabereichs


der Verbesserung des zusätzlichen Wasserangebots zur Gefiederpflege unter Berücksichtigung hygienischer Aspekte


der Entwicklung genetischer Linien, die eine geringere Affinitiät für Federpicken und Kannibalismus aufweisen,


des Verhinderns des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus


des Sehenvermögens von Moschusenten und dem Einfluss des Lichts auf das Auftreten von Federpicken und Kannibalismus


erfolgen, um die Haltungsbedingungen für die Tiere stetig zu verbessern. Hierzu ist ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch im ML, erstmalig im Oktober 2013 vorgesehen.





Hannover, den 22. 1. 2013

G. Lindemann


Niedersächsischer Minister
für Ernährung, Landwirtschaft,
Verbraucherschutz und
Landesentwicklung

Oldenburg, den 24. 1. 2013

W. Hoffrogge


Vorsitzender der Niedersächsischen
Geflügelwirtschaft,
Landesverband e. V.





 


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